ORC worlds vom 1. bis 9. August 2014 in Kiel

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ocr(CIS-intern) – Es treffen sich die Besten der Besten zur Weltmeisterschaft, und die Nationen fiebern mit den nationalen Helden. Gemeint ist nicht die Fußball-WM, die gerade in Brasilien zu Ende gegangen ist, sondern die Weltmeisterschaft der Offshore-Segler vor Kiel. Mit dem Melderekord von über 170 Yachten aus 19 Nationen ist die Weltmeisterschaft in Kiel (1. bis 9. August) das Highlight der Seesegler in diesem Jahr.

„Wir sind extrem erfreut, dass Kiel so angenommen wird. Wir sehen es als Anerkennung für unsere gute Arbeit und freuen uns auf ein Event der Extraklasse“, so Organisationsleiter H.-Eckhard von der Mosel (Kieler Yacht-Club). Der 59-Jährige hat seit über einem Jahr alle Hebel in Bewegung gesetzt und alle Kontakte weltweit genutzt, um die Begeisterung für Kiel zu schüren. Einer, der dabei maßgeblich geholfen hat, ist Dr.Wolfgang Schäfer. Der Vizepräsident des Offshore Racing Congress (ORC) hatte sich bei der WM-Vergabe im Rahmen der Tagung des Weltseglerverbandes (ISAF) im Oman für Kiel stark gemacht. Dort wurde im Herbst des Vorjahres Kiel zum Austragungsort auserkoren und eine WM in drei Klassen beschlossen. Für H.-Eckhard von der Mosel und den Vorsitzenden des DSV-Seesegelausschusses, Dr. Wolfgang Schäfer (Lüneburg), fing das Werben für Deutschland an. Der Erfolg: Rund 1400 Segler/innen aus 19 Nationen und drei Kontinenten reisen zur größten WM aller Zeiten an. Sie werden auf drei Regattabahnen segeln, wobei die Klassen B und C in Gruppen starten werden.

Foto: www.segel-bilder.de

Allein 37 Yachten treffen in der größten Klasse ORC A (GPH 420,0 -549,9) aufeinander – darunter drei TP 52, die sich sonst nur in wärmeren Gefilden, meist im Mittelmeer messen. So könnte sich der Kampf um Gold zu einem Wettstreit der spektakulären TP52-Yachten entwickeln. Denn die norwegische „Trucknor Wolfpack“ (Thomas Nilsson), Triumphator bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr, sowie die schwedische „Blixt Pro Sailing“, die 2012 WM-Silber ersegelte, werden dabei sein. Dritte TP52 im Bunde ist die „Enfant terrible“ von Alberto Rossi. Der Italiener holte WM-Bronze im Vorjahr.

Noch mehr Länge bringen „UCA“ (Brenta 60/Murmann), „Chrila“ (Swan 56/Bressler) sowie „Ember Sea“ (Brenta 55/Mier) auf die Bahn. Und die deutschen Gastgeber haben ein ganz neues heißes Eisen bei der Vergabe des Titels im Feuer. Harm Müller-Spreer (Hamburg) gewann mit der im Nahen Osten entdeckten „Platoon“ überlegen die Internationale Deutsche Meisterschaft im Rahmen der Kieler Woche und deutete an, dass die Carceek 47 durchaus den favorisierten TPs das Wasser reichen könnte. Der Hamburger hat die „Platoon“ in den Vereinigten Emiraten spontan gekauft und eine Crew zusammengestellt, die über Erfahrung verfügt und Erfolge gehamstert hat. Neben dem mehrfachen Welt- und Europameister im Drachen und 5.5er sowie TP52-Vizeweltmeister Markus Wieser, dem Volvo-Ocean-Race-Segler Michael Müller, Matti Paschen und Thomas Auracher sind auch internationale Größen an Bord, allen voran der spanische America‘s Cup Segler Victor Morino.

„Wenn das Schiff in die Wellen jagt, dann steht erst einmal ein halber Meter Wasser im Cockpit. Das ist Segeln mit Schnorchel“, zeigte sich Harm Müller-Spreer von seiner Carceek bei der Kieler Woche begeistert. Dennoch: Nach der WM, am liebsten erfolgreich abgeschlossen, ist Schluss. Dann wird die Yacht weiter nach Australien verkauft, während Müller-Spreer wieder mit einer TP 52 und dem damit verbundenen Einheitsklassen-Segeln liebäugelt.

Ob die beiden deutschen GP42 da mithalten können, bleibt abzuwarten. Skipper Dennis Gehrlein und Crew (KYC) haben ihren neuen schwarzen Renner erst zu Ostern aus Italien geholt. Nach kurzer Vorbereitungszeit präsentierte die Crew sich zwar teilweise schon in starker Frühform, „nur“ Bruch verhinderte eine bessere Platzierung: „Wir wollten und werden bei den Events vor der WM noch einiges testen. Das galt auch für die Kieler Woche“, so Gehrlein, der mit seiner „Silva Neo“ Platz zwei belegte.

Dabei ist die WM auf der Bahn von Eckart Reinke keine reine Männersache. Mit der „Tutima“ (DK46) mischt eine reine Frauencrew in der A-Klasse mit. Der Crew um Skipperin Kirsten Harmstorf (MSC) gelang im Vorjahr zweimal der Sprung aufs Treppchen. Bei der IDM der Seesegler vor Warnemünde belegte die Hamburger Crew mit dem Sponsor aus Glashütte bei der IDM Inshore Rang drei, bei der IDM Offshore Platz zwei.

Auch in der Klasse ORC B (GPH 550,- 614,9) gibt es seit der IDM vor Kiel einen neuen alten deutschen Aspiranten auf einen Platz auf dem Siegerpodest: „Rockall IV“. Mit der Corby 38 (immerhin schon Baujahr 2000) meldet sich Christopher Opielok (NRV) in der deutschen Segelszene zurück, der seine Yacht eigentlich für Langstrecken-Rennen gekauft hatte. Die WM läge so günstig im Terminkalender, da habe man sich kurzfristig dafür entschieden, erklärt der ehemalige Admiral’s-Cup-Segler, der seit Jahren in Hongkong lebt und daher auch unter dem Nationenzeichen HKG antritt. „Das bin ich meinen Sponsoren aus Hongkong schuldig“, so Opielok, der sich seinen langjährigen Weggefährten Stefan Matschuk von North Sails an Bord holte und gleich die Kieler Woche und damit die IDM in der Klasse ORC B gewann. „An unseren Starts müssen wir noch arbeiten“, so Matschuk, aber bis zur WM sei ja noch etwas Zeit, auch wenn die Trauben dort sicherlich viel höher hängen würden.

Auf heimischem Revier wollen einige deutsche Mannschaften bei der Medaillenvergabe ein kräftiges Wörtchen mitreden. So haben sich der nationale Doppelmeister von 2013, die „Sporthotel“ (Dehler 38C/Karl Dehler/Greifswald), und die WM-Silbercrews von 2010, die „Veolia“ (XP-38/Bastiansen/Christensen, Flensburg), einiges vorgenommen. Die Blicke auf sich gezogen hat die „El Pocko“, eine Puma42. Das Projekt von Nils Heyde, Thomas Jungblut und einer Gruppe höchst erfahrener Segler präsentierte den frisch renovierten Sanierungsfall von Mallorca zur Maior und zur Kieler Woche. Besonders bei den Up-and-Downs zeigte die Puma42, was in ihr steckt. Auch der Offshore-Meister aus Bremen, die „Leu“ (Judel-Vrolijk 45), mit Taktiker Albert Schweizer würde sich gern bei der WM gegen die Konkurrenz von 65 Yachten aus 13 Nationen durchsetzen. Die Klasse B wird auf der Bahn von Wettfahrtleiter Stefan Kunstmann in Gruppen segeln, die vier Tage lang ständig wechseln, bevor dann am Freitag (8. August) und Samstag (9. August) der Titel in der Goldgruppe ermittelt wird.

Routiniers und neue Yachten weist auch das 75 Yachten starke WM-Feld in der Klasse ORC C (GPH 615,0 -700,0) auf. Auch Wettfahrtleiter Andreas Herbst wird die Klasse C in Gruppen starten. Vom Weltmeister von 2010, der „Patent³“ (Jürgen Klinghardt/Jens Tschentschner, Lübeck) über die WM-Silbercrew von 2010, der „Chinook“ (Friedrichsen, Flensburg), bis zur neuen „Solconia“ reicht die Liste der deutschen Hoffnungen. Dabei verbirgt sich hinter der „Solconia“ die Erfolgsgeschichte des Hamburger SC. Der Deutsche Meister Inshore und Offshore 2012, Max Gurgel, ist von der „RubiX“ auf die Salona 37 gewechselt. Die 37-Fuß-Yacht gehört in der Klasse C zu den schnellsten Schiffen und will daher zu den Meisterschaften den Vorteil des freien Windes nutzen, um die gesegelte Zeit auch berechnet in Top-Ergebnisse umzumünzen. „Wir wollten Meister werden“, so Skipper Max Gurgel nach dem Kieler-Woche-Sieg, „obwohl die ‚Sportsfreund‘ mit ihren Profis super aufgestellt und favorisiert war.“ Der ganze Verein sei nun auf diese Leistung stolz. Die „Sportsfreund“ (Heiligenhafen) mit Skipper Axel Seehafer, eine X332, nimmt nach der Deutschen Vizemeisterschaft bei der WM Kurs auf die Revanche. Für den Saisonhöhepunkt wurden beide Schiffe über Winter optimiert. „Wir haben mit Hilfe der Vermessungssoftware versucht, uns auf dem Papier langsam zu rechnen“, berichtet Gurgel von langen Winterabenden im Keller, die es auch in Heiligenhafen gab. „Aber die ORC-Formel ist dieses Jahr so gerecht wie noch nie“, entgegnete Seehafer, „zu 70 Prozent wird es darauf ankommen, die PS auch auf die Straße zu bekommen. Im August ist die Straße geöffnet.“

Die größte Flotte stellen wie gewohnt die X-Yachts. Bereits in den 80er Jahren hat die Werft erfolgreich Gewinner-Yachten für die IOR-Szene gebaut und ist auch nach 30 Jahren vielversprechend in der Regattaszene unterwegs. So wird ein breites Spektrum der Generationen vor Kiel dabei sein: Von den älteren Serien der X-332 („Patent 3 “, „Sportsfreund“, „Chinook“) oder der X-362 („Passion X“) über eine IMX 40 („FoXy Lady“) bis hin zu den neuen Modellen der XP Serie (XP 38 „Xpresso“ und „Veolia“) reicht die Bandbreite der 45 X-en, die damit rund 25 Prozent der startenden Yachten stellen.

„Bei den Zahlen und der Qualität rechnen wir mit einer großartigen WM. In Deutschland gilt es jetzt, den Schwung in der ORC-Szene in die nächsten Jahre mitzunehmen“, so Dr. Wolfgang Schäfer, der dem KYC und Organisationsleiter H.-Eckhard von der Mosel für Vorbereitung und Akquisition der über 170 Yachten großes Lob zollte.

PM: Point of Sailing Marketing GmbH

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