Oper Kiel: „Macbeth“ – Werkgerecht und beeindruckend

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Oper Kiel: „Macbeth“ – Werkgerecht und beeindruckend 4.00/5 (80.00%) 1 vote

Macbeth1(CIS-intern) – Von Horst Schinzel – Schon vor zwei Jahren wusste der venezuelanische Regisseur Carlos Wagner in Kiel mit seiner Einstudierung des „Lohengrin“ zu gefallen. Eine Einstudierung, die so erfolgreich ist, dass sie in der neuen Spielzeit wieder aufgenommen wird. Jetzt wurde dem freien Regisseur Verdis „Macbeth“ anvertraut – bekanntermaßen eine dunkle und blutrünstige Gesschichte. Bei Wagner ist der schottische Edle zwar finster und machtbesessen, aber doch der Grenzen seines Tons durchaus bewusst Er fürchtet die Folgen und erkennt in seinem Sterben die Sinnlosigkeit des Strebens nach der Krone.

Für die Umsetzung dieser Regieidee stehen dem Regisseur mit der Russin Anna Markarova als Lady Macbeth und dem Uruguayer Dario Solari in der Titelrolle zwei herausragende Sänger zur Verfügung, die das Premierenpublikum stimmlich wie darstellerisch begeistern. Vor allem die große Stimme der Anna Markarova – die nur in den hohen Lagen gelegentlich Schärfen zeigt – füllt mühelos den Saal. Dario Solari ist in den Szenen der Zweifel, vor allem in seiner Sterbeszene – es wird das Original von 1847 geboten – hinreißend. Neben diesen beiden Gästen gefallen insbesondere Sergey Kovnir als Banquo, Yoonki Baek als Macduff und Michael Müller als Malcolm. Sven Fricke ist die Karikatur eines Königs Duncan.

Reiz- und humorvoll die Idee des Regisseurs, die Rollen der Hexen Kindern anzuvertrauen Laura Klein, Ella Dotzer und Ida Lipkow bieten zusammen mit dem von Lam Tran Dinh einstudierten Kinderchor eine köstliche Persiflage auf Aber- und Hexenglauben. Lam Tran Dinh hat auch den viel beschäftigten Chor sehr gut einstudiert Chor und Solisten treten in von Christof Cremer verantworteten Alltagskleidern auf.

Das von Rifail Ajdarpasic verantwortete Bühnenbild mit blutverschmierten Wänden netzt die technischen Möglichkeiten des Hauses vielfältig aus. Aber irgendwie ist es dunkel und verwirrend.

Das vom Generalmusikdriektor Georg Fritzsch geleitete Philharmonische Orchester musiziert mit großer Eindringlichkeit. Leider aber auf weite Strecken viel zu laut. Das Premierenpublikum ist begeistert, geizt nicht mit Szenenbeifall – mitunter an falscher Stelle – und feiert zum Schluss alle Beteiligten.

Weitere Aufführungen
27. September, 3.,18. und 24. Oktober, 20 Uhr, 7. Oktober, 19.30 Uhr

Fotos Olaf Struck
Macbeth1: Dario Solari (Macbeth)+Ensemble