Oper Kiel: „ATYS“ – Begegnung mit dem Barock

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Atys1(CIS-intern) Von Horst Schinzel – In seiner Oper „Atys“ erzählt der Komponist Jean-Batiste Lully (1632 – 1687) eine antike Sage. Das Werk soll nach seiner Uraufführung 1676 die Lieblingsmusikschöpfung des französischen Ludwig XIV. gewesen sein. Rund 300 Jahre geriet das Werk in Vergessenheit, bis es 1986 wieder entdeckt wurde. Die Kieler Inszenierung ist die dritte überhaupt in der Neuzeit. Zu dieser ist die viel beachtete amerikanische Choreografin Lucinda Childs – die auch als Spezialistin für historische Aufführungspraxis gilt – an die Förde gekommen. Und sie hat sich mit d e m Fachmann für barocke Aufführungspraxis Rubén Dubrovsky zusammen getan.

Was sich vor den Augen des französischen Königs abgespielt hat, läst sich heute kaum wiedergeben. Schon das Orchester hat ganz anders geklungen. Und auf der Bühne spielte sich ein Spektakel ab, für das heutige Theater gar nicht die technischen Einrichtungen haben.

Ganz wichtig aber war der Tanz. Un so bindet die Regisseurin das Kieler Ballett umfassend in die 195 Minuten lange Aufführung ein. Den Chor lässt sie weitgehend mit Masken auftreten .Die Probleme des musikalischen Klanges löst Dubrovsky vor allem mit einem „Petit Choeur“ vor allem für die Zwischenakts-Musik. In der betont schlichten Ausstattung und dem minimalistischen Bühnenbild von Paris Mexis wird die antike Geschichte von der Dreiecksliebe der Nymphe Sangaride, der Göttin Cybèle und dem Menschen Atys personenreich erzählt.

Im Mittelpunkt stehen der Atys des in Kiel bereits bekannten Spaniers Juan Sancho, die Sangaride der Kammersängerin Heike Wittleib und die Cybèle der Rosanne van Sandwijk. Sancho ist auf barocke Partien spezialisiert und gefällt neben seinem schonen Gesang durch sein ideenreiches Spiel. Rosanne van Sandwijk bietet die eindrucksvollste Leistung ihrer Kieler Zeit. Und Heike Wittlieb gefällt, weil sie sich schlicht und ergreifend zu ihrer Liebe zu Atys bekennt – eine Liebe, die ein tödliches Ende nimmt. Aber auch Atys ist am Ende tot und wird zu einem heiligen Baum erhöht.

Eine solche Geschichte entspricht kaum mehr dem Lebensgefühl unserer Zeit. Entsprechend bleibt die Atmosphäre kühl. Kein – an mancher Stelle gewiss verdienter – Szenenbeifall An den Aktschlüssen herzliche Zustimmung. Erst am Schluss werden alle Mitwirkenden frenetisch gefeiert. Sie haben es verdient.

Weitere aufführungen
8., 16. und 23. Oktober , jeweils 19.30 Uhr

Fotos Olaf Struck

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