Kiel: Spannender Opernkrimi „Jenufa“

Add to Flipboard Magazine.
Teilen
Bewerte bitte diesen Beitrag

(CIS-intern) Von Horst Schinzel – Der tschechische Komponist Leos Janacek (1854 – 1928) hat ein umfangreiches musikalisches Werk hinterlassen, wovon sich auf unseren Bühnen und Konzertpodien neben dem reizvollen Tiermärchen „Das schlaue Füchslein“ vor allem die anspruchsvolle Oper „Jenufa“ erhalten hat. Auch die wird selten gespielt – in Kiel zuletzt vor40 Jahren. An diesem Sonnabend hatte im Opernhaus am Kleinen Kiel ebne Neueinstudierung von Arila Siegert in der Urfassung von 1908 ihre gefeierte Premiere.

Fotos Olaf Struck

Die Handlung dieses expressionistischen Musikwerkes ist dunkel, und sehr spannend. Eine im Dorf durchaus als Küsterin angesehene Frau will ihrer Stieftochter eignes Leid ersparen. Als diese von einem wohlhabenden Müller schwanger wird, fordert sie vom Kindesvater, dass dieser sein Kind anerkenne. Der verweigert dies und in irrer Verzweiflung bringt die Großmutter das Kind um. Dies wird erst im nächsten Frühjahr ruchbar, als das Eis die versteckte kleine Leiche freigibt. Die Frau bekennt sich zu ihrer Schuld und öffnet so ihrer Steiftochter den Weg in ein – hoffentlich – schöneres Leben mit einem biederen Bürger dieses Dorfes.

Dies alles wird in dem minimalistischen Bühnenbild von Hans-Dieter Schaal – das vor allem auf die Vorstellungskraft der Zuschauer setzt – und den zeitgenössischen Kostümen von Marie-Luise Brandt spannend und mit großartigen Volksszenen erzählt. Janaceks expressionistische Tonsprache gibt den Geist der Entstehungszeit wider und geht bis an die Grenzen der Tonalität, ohne diese zu sprengen. Die Komposition setzt hohe Anforderungen an die Sänger – insbesondere an die beiden wesentlichen Frauenrollen der Küsterin Buryia und der Jenufa, die mit Marina Fideli and Agnieska Hauser hervorragend besetzt sind. Beide singen und spielen über 150 Minuten hinweg großartig. Neben ihnen haben es Yoonki Baek als Steva und George Oniani als Laca schwer. Vor allem Letzterer bleibt recht blass. Als neues Ensemblemitglied stellt sich der finnische Bassist Timo Riihonen in der kleinen Rolle des Dorfrichters vor. Die zahlreichen Nebenrollen sind eindrucksvoll besetzt und der von Barbara Kler einstudierte Chor überzeugt einmal mehr.

Der Erste Leo Siberski hat das Philharmonische Orchester und den großen Apparat jederzeit gut im Griff. Vor allem die vom Komponisten geforderten Bläser haben eindrucksvolle Einsätze. Und der Dirigent weiß das Orchester so zu dämpfen, dass es die Sänger nicht überdeckt. Der Schlussbeifall ist lang und stürmisch.

Weitere Aufführungen
6. Oktober , 16 Uhr, 13. Oktober , 18 Uhr, 118. Oktober , 20 Uhr

Von Horst Schinzel