Friedrich Mißfeldt im Stadtmuseum: Ein Kieler Maler zwischen Moderne und Tradition

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Im Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof ist vom 29. April bis zum 2. September die Ausstellung „Friedrich Mißfeldt (1874-1969) – Ein Kieler Maler zwischen Moderne und Tradition“ zu sehen. Die Ausstellung bietet erstmals seit 1980 wieder einen Einblick in das umfangreiche, 70 Jahre währende künstlerische Schaffen des norddeutschen Malers.

Den Schwerpunkt der Ausstellung mit insgesamt 150 Exponaten sowie Fotos und anderen Dokumenten bilden schleswig-holsteinische Landschaften und Kieler Stadtansichten, Porträts, das graphische Werk Mißfeldts sowie zahlreiche Skizzen zu den im Krieg zerstörten Wandmalereien in Kieler Gebäuden. Grundlage der Ausstellung ist die „Fördegalerie“ des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums, eine umfangreiche Sammlung zur regionalen Kunstgeschichte, die neben Werken anderer Künstlerinnen und Künstler knapp 30 Gemälde von Friedrich Mißfeldt beinhaltet.

Foto: Pressestelle Stadt Kiel

Diese sowie Leihgaben norddeutscher Museen und Leihgaben aus Privatbesitz und aus dem Nachlass Friedrich Mißfeldts werden in der Ausstellung „Friedrich Mißfeldt (1874-1969) – Ein Kieler Maler zwischen Moderne und Tradition“ gezeigt.

Zur Eröffnung der Ausstellung im Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19, am Sonntag, 29. April, um 11.30 Uhr sprechen Stadtpräsidentin Cathy Kietzer, Dr. Doris Tillmann, Direktorin des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums, und die Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung Dr. Telse Wolf-Timm. Zwei Enkel Friedrich Mißfeldts, Wulf (Cello) und Sönke (Violine) Mißfeldt, begleiten die Ausstellungseröffnung musikalisch.

Friedrich Mißfeldt zählt zu den vielseitigsten norddeutschen Künstlern seiner Generation. 1874 in Kiel als Sohn eines Gastwirts am Alten Markt geboren, begann Mißfeldt zunächst eine Ausbildung zum Dekorationsmaler in Hamburg. Seit 1894 studierte er an der Karlsruher Kunstakademie, die er zusammen mit seinem Professor Leopold von Kalckreuth, der ihn in seiner künstlerischen Entwicklung am nachhaltigsten prägte, gen Stuttgart verließ. Nach Abschluss seines Studiums besuchte Mißfeldt für acht Monate in Paris die Académie Julian und setzte sich dort mit dem französischen Impressionismus auseinander. Anschließend unterhielt er in Berlin zusammen mit seinem Bruder, dem Bildhauer Heinrich Mißfeldt, eine Atelier- und Arbeitsgemeinschaft.

Nachdem sich einige gemeinsame Ausstellungen als Fehlschlag erwiesen, zog sich Mißfeldt 1906 für den Rest seines Lebens in seine Heimatstadt Kiel zurück. „Der Rückweg nach Kiel ist zugleich der Weg zum Heimatmaler, als der er sich nun bekennt, die Trennung von der Akademie einerseits und der Modernität andererseits sind endgültig“, so bewertet der Kunsthistoriker Wulf Schadendorf diesen Schritt Mißfeldts. In Kiel arbeitete er als freischaffender Künstler, lehrte seit 1907 an der Städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule (jetzt Muthesius Kunsthochschule), engagierte sich auch kulturpolitisch in der „Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft“ und prägte über Jahrzehnte das schleswig-holsteinische Kulturschaffen. Erst 1965 zog er mit seiner Frau zur Tochter nach Schleswig, wo er 1969 im Alter von 94 Jahren verstarb.

Steilküste an der Kieler Förde, 1908, Öl auf Leinwand, Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum.Friedrich Mißfeldt wurde vor allem als Landschafts- und Porträtmaler bekannt. Vorrangiges Motiv waren die schleswig-holsteinische Landschaft sowie Ansichten der Stadt Kiel. Bereits zu Studienzeiten mit der Freilichtmalerei in Kontakt gekommen, behielt er diese Arbeitsweise zeitlebens bei. Bis ins hohe Lebensalter fuhr er mit Staffelei und Malkasten ausgestattet hinaus in die Natur, um geeignete Motive zu finden. Die Ausstellung präsentiert Mißfeldts malerisches Schaffen von den Anfängen, als er als 18-Jähriger seine Schwester porträtierte, bis ins hohe Alter.

Zu sehen sind Skizzenbücher aus seiner Zeit an der Akademie, impressionistische Paris-Ansichten, dann die vor der Natur entstandenen Figur- und Landschaftsstudien des Kieler Neubeginns, die in ihrer Modernität eindrucksvoll die Nachwirkungen des Pariser Aufenthaltes spüren lassen. Die 1920er Jahre zeigen seine Gemälde in vorsichtiger Anlehnung an die „Neue Sachlichkeit“, während die 1930er Jahre ein erstes Nachlassen der künstlerischen Kräfte erkennen lassen. Malerei und Zeichnung blieben lebenslang in spätimpressionistisch gegenstandsgebundenem Stil der Darstellung von Natur und Mensch verpflichtet.

Die Ausstellung vermittelt darüber hinaus einen Eindruck von Friedrich Mißfeldt als Monumentalmaler, der vorwiegend in den 1920er und 1930er Jahren sakrale und profane Bauten ausstattete. Bereits 1909 malte er die katholische St. Heinrich Kirche in der Feldstraße aus. Es folgten das Kinderheim in Friedrichsort (1920/21), das Kontor der Getreidefirma von Ernst Otto Bruhn am Sophienblatt (1923), das Trauzimmer des Kieler Rathauses (1923) sowie Innenräume der Kieler Schlachterei Schlotfeld (1925). Von der Gefallenenehrung in Form eines mehrteiligen Altarbildes, die Mißfeldt für die Kieler Humboldt-Schule schuf, ist in der Ausstellung ein lebensgroßer Sämann zu sehen.

In das nationalsozialistische Regime hatte Mißfeldt große Hoffnungen gesetzt, denn er erwartete nun größere offizielle Aufträge. Im Mai 1933 trat er der NSDAP bei. Die Aufträge ließen nicht lange auf sich warten. Denn auch seine Erfahrungen im Entwerfen und Ausführen monumentaler Wandbilder brachten ihm die Gunst der Nationalsozialisten ein.

Nach 1933 erhielt Mißfeldt Aufträge für die Marineschule in Kiel-Wik (Landschaften und Tierdarstellungen der ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien, 1934), die Kaserne Karlshöhe in Eckernförde (Motive aus der Kolonialgeschichte Afrikas, 1935/36), für das Luftwaffenkommando Kiel (Karte Schleswig-Holsteins „Die Deutsche Nordmark, 1939) sowie für das Olympische Dorf in Berlin (Rudersport, 1936). Keine dieser Monumentalmalereien hat sich erhalten. Sie fielen ausnahmslos dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit zum Opfer. Einzig in Familienbesitz erhaltene alte Fotos sowie Skizzen und Vorzeichnungen können als Grundlage dienen, einige wenige der zerstörten Ausmalungen zu rekonstruieren. Diese Zeugnisse werden nun zum ersten Mal in der Ausstellung präsentiert.

Neben der Malerei blieb das grafische Arbeiten ein wichtiges Standbein für Mißfeldt. Die Ausstellung zeigt das breite Spektrum mit Buchillustrationen (Unsere meerumschlungene Nordmark, 1914; Schleswig-Holsteinische Volkslieder, 1927; Wunnern un Wünschen. Plattdeutsche Volksmärchen, 1929) und Gebrauchsgrafik wie Plakate, Prospekte, Briefköpfe und Signets. Zahlreiche Gelegenheitsgrafiken und Karikaturen, die überwiegend für den privaten Gebrauch bestimmt waren, erlauben einen Blick auf eine sehr persönliche Seite des Malers. Sie zeigen, wie sehr Mißfeldt in der Grafik dem Jugendstil verbunden blieb. Und sie offenbaren Mißfeldts großes Talent, nämlich sein Kompositionsvermögen im kammermusikalischen Kleinformat, voller Witz und Selbstironie.

Als Kind seiner Zeit verstand sich Mißfeldt als universeller Künstler, der sich in unterschiedlichen Materialien versuchte. Die Ausstellung zeigt seinen 1907 entworfenen Wandteppich „Möwen“ aus der Scherrebeker Kunstweberei sowie eine von ihm entworfene Keramik-Vase von 1910.

Begleitend zur Ausstellung „Friedrich Mißfeldt (1874-1969) – Ein Kieler Maler zwischen Moderne und Tradition“ erscheint ein gleichnamiges Buch von Telse Wolf-Timm und Doris Tillmann im Boyens Buchverlag Heide (98 Seiten) zum Preis von 30 Euro.

Friedrich Mißfeldt (1874-1969)
Ein Kieler Maler zwischen Moderne und Tradition
29. April bis 2. September 2012

Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof
Dänische Straße 19
24103 Kiel

www.stadtmuseum-kiel.de

Geöffnet: täglich von 10 bis 18 Uhr
Öffentliche Führungen: sonntags 11.30 Uhr
Führungen für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung, Telefon 0431/901-3488

Pressestelle Stadt Kiel